Lossless Audio vs. Dolby Atmos

Mein Fazit nach vier Tagen ist recht einfach: Lossless aus, 3D-Audio ein.

Die Lossless-Wiedergabe konnte ich mit dem Impacto Essential und einem Amiron Home-Kopfhörer ausprobieren. Am Mac, iPhone und iPad signalisierte der DAC über seine integrierte LED-Leuchte die Ausgabe von Hi-Res-Audio.

Apple Music rückt diese Informationen nicht raus. Das Label „Lossless“ beziehungsweise „Hi-Res Lossless“ in der Musik-App gibt lediglich an, in welcher Qualität die Songs empfangen werden – nicht in welcher Qualität sie an die Kopfhörer wandern.

Anders als bei Dolby Atmos: Schaltet ihr über das Kontrollzentrum das 3D-Audio-Feature aus, verschwindet auch das Label im Song-Screen.

Randnotiz: Wenn jeder Song aus einem Album in Dolby Atmos vorliegt, erscheint eine generelle Kennzeichnung in der Ansicht für dieses Album.

Während die verlustfreie Wiedergabe „lediglich“ Musikstücke in höherer Auflösung ausgibt (stark vereinfacht ausgedrückt), müssen Songs für Dolby Atmos neu gemischt werden. Aus diesem Grund steht der Dolby-Atmos-Musikkatalog in Apple Music am ersten Tag komplett in Lossless zur Verfügung – einige Alben sogar in 24-bit/192 kHz.

Im Gegensatz dazu sind nur „einige tausend Songs” in Spatial Audio zu hören. Das kann irritieren, wenn ihr eine Wiedergabeliste mit unterschiedlich abgemischten Songs anhört.

Apple hat eine klare Meinung zu Lossless Audio:

Auch wenn AAC von verlustfreiem Audio praktisch nicht zu unterscheiden ist, bieten wir Apple Music-Abonnenten die Option, auf Musik mit verlustfreier Audiokomprimierung zuzugreifen.

Support.Apple.com

Auch Eddy Cue positioniert sich unmissverständlich:

For the difference of lossless, our ears aren’t that good. Yeah, there are a set of people who have these incredible ears, and that’s one piece of it. There’s the other piece of it, which is do you have the level of equipment that can really tell the difference? It requires very, very high-quality stereo equipment. What you find is, for somebody who’s a true, for example classical connoisseur, they may be able to tell the difference in lossless. I can’t tell personally — I do the blind tests all the time with the team — I can’t tell. That’s a problem. That’s not going to work because that’s a marketing play, not a true customer play. Dolby Atmos, Spatial Audio? You can tell. I can tell, everyone can tell. That’s going to make all the difference in the world.

Billboard.com

Mein Blindtest, den ich zusätzlich über den Scarlett 2i2 am Mac ausführte, konnte mir ebenso keinen Unterschied auf die Ohren zaubern. Für mich waren weder die verschiedenen Stufen von Lossless zu unterscheiden (24-Bit / 48 kHz oder 24-Bit / 192 kHz), noch die Differenzen zur Standard-Streaming-Qualität (AAC 256 KB/s).

Ich habe außerdem den Kopfhörerbuchsen-Adapter (Klinke-auf-Lightning respektive Klinke-auf-USB-C) eingesteckt, der ein verlustfreies Audio mit bis zu 24 Bit/48 kHz ermöglicht. Aber auch hier versagten meine Ohren.

Dagegen waren die Songs in Dolby Atmos nicht nur augenblicklich als solche zu erkennen, sondern man stand tatsächlich in der Mitte der Musik – von Sublime bis Norah Jones. Der Effekt ist für mich jedoch wesentlich deutlicher auf den AirPods Max nachzuvollziehen als auf den AirPods Pro.

Apropos Musik-Mitte: In der iOS-15-Beta testet Apple bereits ein Head-Tracking für Musik. Dabei wechselt die Musikwiedergabe zwischen den Ohrmuscheln entsprechend eurer Positionierung zum iPhone – ähnlich wie Spatial Audio das für Videos macht.

iOS 14.6 verfolgt die Position eurer Kopfhörer zum Abspielgerät noch nicht, und mir ist auch noch nicht verständlich, warum man das für Musik – der man nicht dauerhaft zuschaut – überhaupt möchte.

We are excited to announce that spatial audio with dynamic head tracking is coming to Apple Music in the fall. Dynamic head tracking creates an even more immersive experience for spatial audio. It brings music to life by delivering sound that dynamically adjusts as you turn your head. And you can experience spatial audio with dynamic head tracking on AirPods Pro and AirPods Max with a compatible iPhone or iPad.

Support.Apple.com

Apropos Zuschauen: 3D-Audio befindet sich auch für den Apple TV schon in den Betas. Und es macht Freude, obwohl die technische Umsetzung eine schlicht verzögerte Erfassung der Kopfhörer-Position zu sein scheint.

When you sit down to watch a movie or TV show, the included head tracking feature will lock in after it detects you’ve been looking in the same direction for a while. Once you get up to walk around, it will reactivate.

Engadget

Darüber hinaus zeigt Apple in den ersten Vorabversionen seines OS-Updates ein Feature, das sie „Spatialize Stereo“ nennen. Es ist ein simulierter 3D-Audio-Effekt für alle Inhalte, die keine Dolby-Abmischung ausspielen.

Meine Videos lassen sich damit bereits anschauen. Wie gut das aber ist, bleibt abzuwarten. Im Moment erfreut man sich an einem leicht halligeren Sound, der zwischen den zwei Ohrmuscheln hin- und herspringt.

Ich führe all diese Funktionen hier auf, um zu zeigen, wie investiert Apple in Surround-Audio ist. Das bedeutet gleichzeitig: Lossless Audio ist für Apple keine Priorität. Entsprechend sollte man ihre Aussagen dazu werten.

Und trotzdem ändert das mein Empfingen gegenüber der verlustfreien Wiedergabe von Musik nicht: Lossless ist für mich nicht von der gewohnten Qualität zu unterscheiden, während eine gut gemixte Mehrkanalwiedergabe viel Spaß bereitet.


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