Wer sich an die frühen Tage von Facebook und Instagram zurückerinnert, wird vor allem daran denken, dass man die Apps, beziehungsweise die Website, damals dazu nutzte, um up-to-date zu bleiben, was das Leben von Freund:innen und Familie angeht. Man schrieb sich gegenseitig auf die Pinnwand und scrollte durch den Feed und irgendwann war dieser zu Ende. Im Zweifel verließ man zu diesem Zeitpunkt die App. Da dies natürlich nicht im Interesse von Facebook und Instagram war, musste eine Lösung her, die User länger auf den Plattformen halten würde. Und schon war die Idee zu einem Engagement-basierten Feed statt dem chronologischen geboren.

Schädliche Inhalte gehen einfacher viral

Dieser Algorithmus ist darauf ausgelegt, Usern die Posts auszuspielen, mit denen sie am wahrscheinlichsten interagieren. Dazu werden eine Reihe von Faktoren einbezogen. Bei dieser Art von Vorgehen kommt es jedoch schnell dazu, dass provokative oder kontroverse Posts vermehrt im Feed landen, da diese oft stärkere Emotionen und so auch Interaktionen hervorrufen. Interne Dokumente zeigten sogar, dass der wütende Emoji auf Facebook stärker gewichtet wurde als ein normales „Gefällt mir“. Das führte dazu, dass sich schädliche Inhalte und Fehlinformationen deutlich schneller auf der Plattform ausbreiten konnten, als andere Inhalte. Diese Gewichtung hat Facebook mittlerweile geändert, doch der Engagement-basierte Algorithmus bleibt bestehen, worin auch Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen ein großes Problem sieht. Sie denkt, dass die Entwicklung zurück zu einem chronologischen Feed Facebook deutlich verbessern würde.

[Facebook’s] own research is showing that content that is hateful, that is divisive, that is polarizing – it’s easier to inspire people to anger than it is to other emotions,

Screenshot Facebook

erklärt sie CBS gegenüber. Da die Änderung für Facebook wahrscheinlich bedeuten würde, dass User weniger Zeit in der App verbringen würden, ist anzunehmen, dass das Unternehmen trotz der Kritik den Feed-Algorithmus nicht verändern wird. Doch User haben die Möglichkeit, ihren News Feed selbst auf eine chronologische Anzeige umzustellen. Die Umordnung hält zwar nur für eine Sitzung und kann nicht per default eingestellt werden, doch wer nicht den Algorithmus entscheiden lassen möchte, was er oder sie angezeigt bekommt, kann die Einstellungen jedes mal selbst anpassen.

So änderst du deinen Feed schon jetzt zur chronologischen Reihenfolge

Wer mobil auf Facebook unterwegs ist, findet die Einstellung über das Menü und dann unter dem Punkt „Recent and favourites“. Im Browser ist die Einstellung auf der Startseite links im Menü zu finden. Klicke einfach auf „neueste Posts“ und dein Feed wird chronologisch sortiert. Für Instagram gibt es bisher noch keine solche Option.

Die Umstellung mag zunächst dafür sorgen, dass schädliche Posts weniger ausgespielt werden und dadurch nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Schließlich bekämen alle User diese in einem chronologischen Feed an der gleichen Stelle zu sehen. Nach einigen Stunden wurde der Post dann von anderen Inhalten verdrängt und wird nicht noch Tage später hochgeholt, weil viele User mit ihm interagierten. Doch ein chronologischer Feed lässt sich auch ausnutzen. Schließlich müssen nur regelmäßig viele Posts geteilt werden, um den Feed von Followern voll zu spamen.

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