TikTok ist mit etwa 3,6 Milliarden Downloads mittlerweile zu einem wichtigen Part der Social-Media-Kultur geworden – mit einem massiven Einfluss auf andere große Social-Plattformen. Doch die Vorwürfe hinsichtlich TikToks Umgang mit Daten erhärten sich. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Angestellte der TikTok-Mutter ByteDance in China über Monate hinweg regelmäßig auf Daten von US-Nutzer:innen zugegriffen haben sollen. Jetzt drohen TikTok weitere Konsequenzen: Brendan Carr, Vorsitzender der Federal Communications Commission (FCC) in den Vereinigten Staaten, hat einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sowohl Apple als auch Google aufgefordert werden, die App aufgrund der unzureichenden Datenschutzpraktiken aus ihren App Stores zu entfernen. Carr erklärt auf Twitter:

TikTok is not what it appears to be on the surface. It’s not just an app for sharing funny videos or memes. That’s the sheep’s clothing. At its core, TikTok functions as a sophisticated surveillance tool that harvests extensive amounts of personal and sensitive data.

Er verweist zudem darauf, dass TikTok nicht nur Informationen sammeln würde, sondern auch verschiedenste Dateneingaben verfolgen könnte, darunter Such- und Browserverläufe, Tastendruckmuster, biometrische Identifikatoren, Nachrichtenentwürfe und andere Metadaten, während die App auch auf Text, Bilder und Videos zugreifen kann, die in der Zwischenablage des jeweiligen Endgeräts gespeichert sind.

TikToks unzureichender Umgang mit Daten steht schon lange in der Kritik

Ein erster Verdacht kam bereits 2020 mit der Einführung von iOS 14 auf. TikTok User bemerkten, dass die App den Inhalt ihrer Zwischenablage verfolgte, da die zu dem Zeitpunkt neuen iOS-Benachrichtigungen zeigten, dass TikTok alle paar Sekunden auf die Zwischenablage von Usern zugegriffen hatte. Auf Nachfrage erklärte die ByteDance-Tochter, dass man dies künftig unterlassen würde.

In der heutigen Zeit sammelt quasi jede App und jede Website Daten. Grundsätzlich ist es auch nicht ungewöhnlich, dass User-Daten in Drittländern eingesehen werden – doch die Kritik an der chinesischen Cybersicherheitspolitik und Regierung allgemein verschärft die Bedenken in dem Fall TikTok. Aus diesen Gründen und wegen ByteDances Verbindung zur KPCh (Kommunistische Partei Chinas) ist es auch in den USA verboten, die App auf Regierungsgeräten zu installieren.

Carr stellt weiter fest, dass überparteiliche Vorsitzende sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus zu unterschiedlichen Zeiten Bedenken hinsichtlich der App geäußert haben. Er betont, dass die Vorwürfe gegen die App überzeugend genug sind, um zu legitimieren, sie vollständig in den USA zu untersagen beziehungsweise aus den App Stores zu entfernen, etwa durch eine Grundsatzentscheidung oder Apple und Google. Brendan Carr ist ein äußerst konservativer Vertreter der Republikaner:innen in den USA und ein Vertrauter Donald Trumps. Sein Vorstoß könnte daher auch eine (außen)politische Agenda bedienen, denn auch Trump hatte 2020 versucht, TikTok in den USA zu verbieten.

TikTok hatte wahrscheinlich gehofft, die Herausforderungen bezüglich Datenschutz gemeistert zu haben, indem es die US-Benutzer:innendaten auf Oracle-Server verschoben hatte. Aktuell wird jedoch deutlich, dass das Problem damit noch nicht gelöst wurde. Inwiefern auf Carrs Forderungen jedoch Taten seitens der Tech-Konzerne oder der Regierung folgen, bleibt abzuwarten.

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